Museum Digital

Auch wenn die Museen aufgrund der Corona-Pandemie aktuell geschlossen sind, bietet Ihnen  der Heimatverein Stadt Kirtorf e.V. ein neues, digitales Angebot an. Wir wollen Ihnen trotz geschlossener Tür einen Einblick in unser Museum geben. Lassen Sie sich begeistern von den Kirtorfer Orten und ihren Menschen, die das Leben in den vielen Jahren unserer Geschichte geprägt haben.

Und wenn es Ihnen gefällt, so können Sie sich hier schon auf Ihren nächsten analogen Besuch einstimmen. Wir freuen uns auf Sie!

  • Die Stadt Kirtorf mit ihren sieben Ortsteilen

Seit April 2020 stellen wir Ihnen immer einen neuen Ort unserer Großgemeinde vor. Diesen Monat zeigen wir Ihnen etwas über 

 

  • Kirtorf (August 2020)

Der Schmerofen im Spitzengrund hat Kirtorf nicht nur in der Vergangenheit seinen Stempel aufgesetzt. Aber, was ist denn das besondere am Schmerofen - und wer ist eingentlich der Schmerschorsch???

Im Kirtorfer Schmerofen wurde zu Zeiten des Schmerbrenners Georg Jung (Schmerschorsch genannt) dreimal im Jahr ein sogenannter „Brand“ vorgenommen.

Ein „Brand“ umfasste einen Zeitraum von ca. 5 Wochen von der Befüllung bis zum Abkühlen.

Den Brennvorgang mit den einzelnen Arbeitsgängen wollen wir Ihnen anhand unseres Schmerofenmodells demonstrieren.

Zum „Brand“ befüllte der Schmerschorsch den inneren Ofen („Blase“) mit dem zubereiteten Wurzelholz der harzreichen Kiefer (Kienholz). Er nannte die Füllung „Schnarsche“ (Charge).

Das eigentliche Brennen konnte jetzt beginnen -Der Ablauf des "Schmerbrennens"

Vor jedem Brand musste die Wand des inneren Ofens sorgfältig auf Risse kontrolliert und mit Lehm verputzt werden.Ein Brennvorgang, bei dem fünf bis zehn Raummeter Holz verfeuert wurden, dauerte etwa eine Woche.

Durch ein ebenerdiges Schürloch im Innern der angrenzenden Hütte schichtete er Feuerholz in die äußere Brennkammer und legte während des Brandes ständig nach. Der Ofen musste dauernd in Brand gehalten werden,
weshalb der Schmerbrenner öfters Holz nachlegen, und somit seine Arbeitsstätte mehrere Tage und Nächte nicht mehr verlassen durfte. Ein Strohbett in seiner Behausung diente Ihm als Ruhelager.

Am Sonntagnachmittag heizte er langsam an. Durch Öffnen und Schließen der „Zuglöcher“ im äußeren Ofenmantel leckten die Flammen rund um den inneren Ofen, die Blase.

Nach unablässigem und sich steigerndem Heizen gab das erhitzte „schwitzende“ Kienholz am Dienstag seine ersten Inhaltsstoffe ab.                            

Sogenanntes „Brandwasser“, ca.  20  bis 30 Liter braune Flüssigkeit, traten über die „Ablaufrinne“ aus, wurden aber nicht weiter verwendet.

                                                      Der Scherschorsch hatte oft Besuch und war ein beliebtes Fotomotiv

Am Tag darauf im Verlauf des Mittwochs folgte dann der Vorlauf. Der Schmerschorsch konnte das wertvollste Produkt, etwa zwei Liter hellgelbe Flüssigkeit, das „Kienöl“ in den bereitgestellten Gefäßen auffangen. Dafür zahlten Apotheker und Veterinärkliniken 1948 für den Liter 50.- Mark.

Der „Schwarm“, ein betäubender, starker Dampf, trat nun denselben Abend aus dem Ablauf her vor. Ihm folgte bald mit der Dicke eines Strohhalms langsam auslaufend ca. 30 bis 40 Liter „Schmer“ der zu guter Letzt immer dickflüssiger, dunkler und zäher wurde. Das Heizen wurde nun eingestellt.

Um den Schmer gebrauchsfertig zu machen, wurde er in einem großen Kessel, auf einem Dreibock stehend, nochmals aufgekocht. Nach vierzehntägigem Abkühlen konnten nach öffnen des inneren Ofens, des „Kohlloches“, die Rückstände des Kienholzes, nämlich die Holzkohle entnommen werden.
Sie wurde an die Schmiedebetriebe zu Befeuerung weitergegeben.

Der restaurierte Schmerofen

Der ursprünglich von Georg Jung im Jahr 1905 erbaute „Holzteerofen“ wurde unter Federführung des Heimatverein Stadt Kirtorf e.V. bis auf den inneren Ofen zurückgebaut und mit Lehmsteinen ausgebessert. Der äußere Ofen anschließend mit den Originalsteinen wieder aufgemauert und mit Lehm verputzt. Nach einem erfolgreichen „Schmerbrennen“ im Herbst 2015 wurde das Projekt „Schmerofen“ nach sechsmonatiger Bauzeit abgeschlossen.

Wenn Sie Interesse haben, den Schmerofen zu besuchen - hier ist die Wegbeschreibung

(Vielen Dank an Jürgen Döring für die Modelle und das Manuskript dieses Artikels)

 

 

  • Heimertshausen (Juli 2020)

Der "King" besuchte Villa Heimertshusen  

Die erste Nennung "villa Heimershusen" findet sich 1272 in den Akten des Deutschen Ordens. Das Dorf muss aber viel älter sein. So wurde wohl bereits in der Rodungsphase des 8. oder 9. Jahrhunderts gegründet. Der Name wird als "Siedlung des Heimwart" gedeutet.

Standesherren waren die Herren von Romrod und später die Grafen von Lehrbach, gefolgt von den hessischen Landgrafen. Heimertshausen gehörte zum Kirtorfer Eußergericht und ist seit 1972 ein Stadtteil von Kirtorf.

Und dann hatte Heimertshausen im Jahr 1959 hohen Besuch. Der "King of Rock`n Roll" - Elvis Presley - wurde bei einer Fahrt durch den Ort gesehen. Eine glückliche Fügung bescherte dem Fotografen einen tollen Schnappschuss. Beide - der Fotograf und Elvis waren wohl zur rechten Zeit am richtigen Ort. Was Elvis wohl gedacht haben muss, als er vorbei fuhr? Wir werden es leider nie erfahren.... 

 

  • Gleimenhain (Juni 2020)

"Glymen" - Oben im Norden

Gleimenhain wird als "Glymen" erstmals 1279 bezeugt. Zu dieser Zeit war der Ort fuldisches Lehen der Grafen von Ziegenhain. 1293 werden die Herren von Gleimenhain - genannt von dem Forstemit einem Burgsitz erwähnt. Sie sind wappenähnlich, eine Bruderlinie der Herren von Wahlen. Mit dem erwähnten Burgsitz handelt es sich möglicherweise um die Nellenburg, die auch von den Herren von Wahlen als "unser eygin Hus, die Nellenburg bezeichnet wird. Das Dorf ist dann an die Zisterzienserbateil Haina gekommen und wüst geworden. 1461 erwarb der hessische Haushofmeister Hans v. Darmberg die Wüstung und baute sie wieder auf, an einem neuen, dem heutigen Standort. Über die Gebrüder Steuber" die Gleimenhain klageweise von den Dörnbergern erkämpften, kam der Ort über die Familie von Weiters im Wege der Lehnsauftragung an den hessischen Landgrafen, der ihm aber nicht dem Eußergericht unterstellte, sondern zu dem ihm allein gehörenden Kirtorfer Stadtgericht zog.

 

  • Arnshain (Mai 2020)

Die Künstler und ihr Stöffche

Die Oberhessische Zeitung meldete am 16.09.1905

Der hiesigen Apfelweinkelterei Konrad Seng wurde auf der Mainzer Landes- und Jubiläumsausstellung unter ca. 15 Apfelweinproduzenten aus ganz Hessen der 2. Preis und die silberne Medaille zuerkannt. Ein sicheres Zeichen, dass das seit 1873 bestehende Geschäft mit seinen Konkurrenten in der Wetterau und Rheinhessen stets gleichen Schritt gehalten hat und dass auch die Äpfel in dem rauhen Klima des Kreises Alsfeld bei sachgemäßer Verarbeitung einen vorzüglichen Stoff liefern.

Das hatten auch die Künstler der Willingshäuser Malerkolonie um Carl Bantzer und Wilhelm Thielmann schnell erkannt. Man trifft sich häufig in der Gaststube der Kelterei Seng - insbesondere, wenn "die Malweiber" wieder mal kommen. Malende Frauen in einer eingeschworenen männlichen Künstlergesellschaft - ob das gut geht? "Dieses Gewimmel ist natürlich unangenehm", schreibt Helene Bantzer an ihren Sohn Arnold im September 1905. 

Voraussehbaren Turbulenzen gehen die Herren Künstler aus dem Weg, in dem sie sich zu Fuß oder mit dem Rad in das 6 Kilometeter entfernte Arnhain begeben, wo sie bei einem guten Gläschen ihre Ruhe genießen können.

Windpioniere - Die Bürgerwind Arnshain GbR

 

 

 

 

 

 

 

 

Published on  July 27th, 2020